Beiträge mit dem Tag: träumen

Es muss nicht so schwer sein

Verfasst von Armin Soyka am Donnerstag, 9 Juli, 2009

Dies ist der zweite Teil zu diesem Blogeintrag (Bloghistory/Potenzial und die nötige Wertschätzung)

Der zweite Teil des einprägsamen Abends fand von 1:33 bis 3:54 des nächsten Morgens statt. Ich kam ins Gespräch mit einer jungen Dame (Alter ist ja immer relativ, sie war 22). Ins Gespräch kamen wir, weil mir höflicherweise ein Bier angeboten wurde. Dass mich die Aussicht auf ein gratis Heineken nicht erregte und ich keine Anstalten machte das Angebot anzunehmen, schien sie nachdenklich zu stimmen. Nach ein paar Minuten fragte sie: „So you don’t drink?“ – „No.“ Stille. Wenig später: „So do you smoke?“ – „No.“ Stille. Irgendwann brach das Eis und wir begannen über Vor- und vor allem Nachteile von Sucht, Drogen und Alkohol zu diskutieren. Aber in Wirklichkeit lief das Gespräch in eine ganz andere Richtung. Über die Frage, woher kommt eigentlich das Bedürfnis nach Drogen und danach, sich selber vergessen zu wollen, kamen wir sehr schnell von Drogen weg, hin zu der Frage „Wer bin ich?“. Die Frage nach dem „Wo ist mein Platz in der Welt?“. Diese Frage, die jeden mal quält und die nur von den wenigsten wirklich nach einer lebenslangen, eingehenden Suche beantwortet wird.

Lange Rede kurzer Sinn. Warum mir der Abend in Erinnerung bleiben wird:

  • Ich habe ein weiteres Mal gesehen, wie sensibel, verletzlich und desorientiert ein junger Mensch durch die visionsleere Sphaere schweben kann und gesehen wie wichtig Visionen, Ideen, Wünsche, Träume, Hoffnungen und das Vertrauen auf und Wissen um die Erfüllung eben dieser ist.
  • Ich habe ein weiteres Mal gesehen, wie Gesellschafts- sowie harte Drogen als Lösung angesehen werden und auf den Schneepflugeffekt (= vor dir herschieben) vergessen wird.
  • Ich habe ein weiteres Mal gesehen, wie schwierig es machen Menschen fällt, trotz besserem Wissen aus diesem Teufelskreis des Selbstbetrugs auszubrechen und sich auf die Suche nach dem eigenen Platz zu machen, anstatt die Frage weiterhin zu verdrängen.
  • Ich habe ein weiteres Mal gesehen, wie groß die Angst mancher Menschen vor sich selbst, vor ihrer Selbsfindung ist. Ich habe ein weiteres Mal gesehen, wie meine Ideen zur Erleichterung dieses Schrittes zur Selbstfindung zwar als gut – sogar großartig – befunden wurden,
  • ich habe aber auch ein weiteres Mal gesehen, wie mir die Umsetzung dieser Ideen aber nicht zugetraut wird.
  • Ich habe ein weiteres Mal gesehen, wie dringend es Vorbilder braucht, die bereit sind die Hand zu reichen, wo eine Hand von Nöten ist und offen, verständnisvoll und einfühlsam vorzugehen und neue Wege gemeinsam zu beschreiten.

Aus diesen zwei Stunden nehme ich vieles mit. Aber vor allem: Ich möchte versuchen ein solches Vorbild zu sein. Ich möchte den Mut aufbringen, neue Wege zu beschreiten und den Menschen in meiner Umgebung, wo immer ich sie finden kann, meine Hand entgegenzustrecken und Halt zu geben und natürlich auch selbst Halt zu finden. Visionen zu haben und sie nicht nur zu träumen, sondern zu leben. Nicht blind Ideen nachlaufen, sondern klug auch mich selbst regelmäßig hinterfragen und prüfen, ob meine Wünsche noch wünschenswert sind. Ich möchte all jene, die mir nicht zutrauen, dass ich meine Ziele erreiche, beweisen, dass „change happens“ – Veränderung passiert.

When I die, I will have changed the world.
Because change happens if you live your visions, dreams & desires!
I have visions, I have dreams and I have desires – they will have come true!
What about yours?

Für die, die sich jetzt fragen, was diese Ideen sind, wie man es (jungen) Menschen leichter machen kann, sich selbst zu finden, hier kurz ein paar skizziert (vielleicht in einem späteren Blogpost eingehender):

  • Es braucht einen gesellschaftlichen Wandel dahingehend, dass Fehler endlich als das anerkannt werden, was sie sind: Unsere größten Lehrmeister, unsere Chancen zu sehen, was wir besser machen können. Fehler müssen gemacht werden, eine makellos fehlerfreie Gesellschaft, oder eine, die danach strebt, ist ein Fehler in sich (Stichwort 90-60-90, Stichwort Six-pack,…).
  • Es braucht einen Wandel zu einer Gesellschaft, die kritisches Denken und Handeln fordert und fördert, damit alte Krustzustände aufgebrochen und kritisiert werden (können).
  • Es braucht einen gesellschaftlichen Wandel dahingehend, dass man wieder träumen darf. Träumen tut man aber nur, wenn man auf sich selbst vertraut, deshalb:
  • Es braucht einen gesellschaftlichen Wandel dahingehend, dass man als junger Durchschnittsmensch stolz auf sich sein und ein gesundes Selbstvertrauen entwickeln kann. In unserer autoritären Top-to-Bottom Gesellschaft ist das leider nur schwer möglich. Wenn Jugendliche in 18 Jahren über 150.000 mal hören, dass sie etwas nicht können, dann ist es logisch, dass junge Menschen auch nicht auf sich selbst und ihren individuellen Weg vertrauen – sondern ihre tollen Fähigkeiten darauf verwenden, sich dem Diskurs, welches denn nun ihre Fähigkeiten sind, verwehren.
  • Es braucht einen gesellschaftlichen Wandel dahingehend, dass Verantwortung wieder Spaß macht, weil sie gesellschaftlich gutiert, anerkannt und gelobt wird und damit wieder (?) als wertvolles Ziel gesehen wird. Damit Gemeinwohl auch im Kopf des Einzelnen Platz findet. Denn Gemeinschaft ist was unser aller Leben bestimmt. Wir leben in einer Fremdversorgergesellschaft in der jeder für den anderen arbeitet und jeder damit auch eine große Verantwortung übernehmen muss.

Wenn es uns gelingt, diese Werte in unserer Gesellschaft zu installieren bzw. zu stärken bin ich überzeugt, dass vielen (jungen) Menschen eine Menge Leid erspart bleiben wird. Und das ist ein Ziel, für das ich finde, dass es sich zu arbeiten lohnt!