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Nix brennt in unserer Uni!

Posted by on Montag, 26 Oktober, 2009

Unsere Uni

Gibt es etwas anderes als lächelnde Menschen? Menschen, die sich gebraucht und gewollt, nützlich und stark fühlen? Menschen, die an etwas glauben und dafür einstehen, ihre Ideen einbringen und gehört werden? Gibt es etwas Schöneres als eine große Vision? Gibt es etwas Schöneres, als wenn alle mithelfen? Gibt es etwas Schöneres als eine Audimaxbesetzung? Ich habe die letzten 9 Stunden im Audimax zugebracht und kann gar nicht zusammenfassen, was ich heute alles erlebt habe.

Aber hier ist etwas im Entstehen. Etwas Großes. Optimismus, Aktivismus und Engagement greifen um sich, das System wächst schnell. Das Chaos strukturiert sich. Es wird diskutiert. Es wird analysiert. Und es wird gelernt. Die Entwicklung, die sich in dieser Unternehmung in den letzten 100 Stunden abgespielt hat, ist unbeschreiblich. Das Erfolgsgeheimnis? Hier wird gelächelt. Hier fühlt sich jeder wohl. Es gibt ein Ziel. Und die Gruppe hält zusammen. Sie steht für einander ein und arbeitet hart, um ihre Ziele zu erreichen. Um die armen verwirrten Schafe, die noch immer denken, es ginge um Vandalismus oder Blockaden, aufzuklären, hier der letzter Stand der Forderungen:

1)   Bildung statt Ausbildung
Bildung für eine mündige Gesellschaft und nicht bloße Ausbildung nach wirschaftlicher Verwertbarkeit! Unser Ziel ist die Möglichkeit eines freien, selbstbestimmten Studiums für Alle! Wir wollen keine Verschulung der Studienpläne! Daher fordern wir eine grundlegende Überarbeitung des BA/MA Systems.

Wir fordern:

  • Schluss mit den STEPs als versteckte Zugangsbeschränkungen. Die STEP als eine tatsächliche Orientierungsphase statt als Selektionsinstrument durch Knock-Out Prüfungen.
  • Freie Gestaltung des Studiums – Schluss mit der unnötigen Verzögerung durch Voraussetzungsketten
  • Freie Wahlfächer statt Erweiterungscurricula
  • Weg mit den intransparenten Anmeldesystemen
  • Freie Master und PhD Zugänge
  • Gewährleistung der Beendigung des begonnenen Studienplans (z.B. Diplom). Dazu bedarf es eines entsprechenden Lehrangebots und fixer Äquivalenzlisten sowie der bestehenden Übergangsfristen.
  • Aufrechterhaltung der noch bestehenden Diplomstudiengänge
  • Gewährleistung der Anrechenbarkeit von LVs und Abschlüssen im In- und Ausland

2)   Freier Hochschulzugang
Freie Studienplätze für Alle und Abschaffung der Studiengebühren, auch für nicht-EU-BürgerInnen und Langzeitstudierende. Die Sicherstellung eines angemessenen Lehrangebots und die Qualität der Lehre darf nicht durch Zugangsbeschränkungen erwirkt werden. Freier Hochschulzugang und qualitativ hochwertige Lehre sind kein Widerspruch! Es gibt nicht zu viele Studierende sondern nur zu wenige Studienplätze!

3)   Demokratisierung der Universitäten
Unser Ziel ist die demokratische Organisation der Universitäten. Dazu gehört eine Demokratisierung der Verwaltung in einer Form, die ProfessorInnen, Studierende, das wissenschaftliche und das nicht wissenschaftliche Personal gleichberechtigt an der Entscheidungsbildung beteiligt.

Wir fordern:

  • Neuverteilung der Stimmrechte im Senat mit dem Ziel einer echten Demokratisierung zum Beispiel nach dem Prinzip der Viertel-Parität
  • Keine Studienplanänderungen ohne Mitbestimmung der Studierenden
  • Einführung demokratischer Entscheidungsstrukturen auf allen Ebenen
  • Transparente Entscheidungsfindungsprozesse müssen auf allen Ebenen etabliert werden
  • Anti-Diskriminierung als Grundkonsens in allen universitären Bereichen
  • Ersatzlose Abschaffung des Universitätsrates
  • Auflösung des Top-Down Prinzips
  • Rücknahme der ÖH Wahlrechtsreform 2004 – Wiedereinführung des Direktwahlmodus bei ÖH Wahlen
  • Studentische Räume müssen geschützt werden

4)   Ausfinanzierung der Universitäten

  • Transparenz bei der Finanzierung von Forschung und Lehre
  • Mitbestimmung bei der Mittelverwendung an Universitäten
  • Abschaffung aller noch bestehenden Studiengebühren, auch für nicht-EU-BürgerInnen und Langzeitstudierende
  • Finanzielle Absicherung der Studierenden
  • Wiedereinführung der StudentInnenfreifahrt
  • Aufhebung aller finanziellen Zugangsbarrieren im Bildungsbereich

Dass etwas weitergeht, kann man spüren. Aber man kann es auch sehen. Mittlerweile gibt es 48 Arbeitsgruppen zu allen relevanten Themen: von Presse, Abendgestaltung und Moderation über SchülerInnen, Technik und Resourcen, zu Volksküche, Forderungen und Rechtsinformation, in denen über 400 Menschen Tag für Tag (stundenlang) diskutieren und ihre Resultate im Plenum vorstellen, diskutieren und abstimmen. Webseite und Livestream wurden binnen Stunden auf die Beine gestellt und erfreuen sich großer Beliebtheit (die Webseite wurde innerhalb von 20 Stunden über 30.000 mal besucht, im Livestream folgen etwa 1.000 (!!!) Menschen dem Geschehen). Auch in Twitter dominiert das Thema: #unibrennt und #audimax sind auf Platz 1 und 2 der deutschen Twittercharts.  Auch die Facebookgruppe wird wohl heute Nacht noch die 8.000 Mitgliedermarke knacken. Eine spannende und soweit ich beurteilen kann wichtige und richtige Analyse liefert Philipp Sonderegger.

Hier noch eine Kostprobe, wie es um Stimmung und Motivation bestellt ist.

Hier ist etwas im Entstehen und ich bin nicht sicher, ob ich die nächste Woche nicht lieber auf der Uni anstatt in Venedig verbringen würde. Ganz ehrlich!

Jetzt muss ich schnell ins Bett, damit ich morgen für das Plenum um 11 Uhr fit bin! Gute Nacht!

Achja, und alle die nicht kommen sind ganz ehrlich selber schuld. Pech gehabt. Flaschenpost vorbeigeschwommen.

Gesellschaftliche Verantwortung, eine Email

Posted by on Montag, 7 September, 2009

Heute habe ich via Twitter erfahren, dass die Strabag sich 200 km von Wien an der Errichtung zweier Blöcke für das Atomkraftwerk Mochovce beteiligen möchte.

Der österreichische Baukonzern STRABAG hat sich darum beworben die Blöcke 3 und 4 des umstrittenen slowakischen Atomkraftwerks Mochovce zu bauen. Als eindeutiger Billigstbieter stehen die Chancen auch äußerst gut den Zuschlag zu erhalten.

Greenpeace hat dazu hier eine Protestaktion gestartet und bittet um Unterschriften.

Bitte teilen Sie dem STRABAG Geschäftsführer Hans Peter Haselsteiner mit, dass veraltete Risiko-Atomreaktoren, nur 150 Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt, unerwünscht sind.

Bitte helfen Sie mit, ihn zu überzeugen, dass seine Firma von diesem Angebot zurücktreten soll.

Das ist mir zu blöd, sowas will ich selber schreiben. Gesagt, getan, hier was raus gekommen ist:

Sehr geehrter Herr Dr. Haselsteiner!

Ich möchte Sie dringlichst bitten, in sich zu gehen und sich genau zu überlegen, ob ihr Verstand und ihr Gewissen es ihnen erlaubt, den Ausbau von Atomkraftwerken, die ein enormes Gefahrenpotenzial darstellen, gleichzeitig wirtschaftlich (bei Kostenwahrheit) kaum rentabel sind und für deren hochgiftigen Abfälle es keine zufriedenstellende (Lagerungs)Lösung gibt, wirklich unterstützen wollen.

Wirtschaft hat eine große Verantwortung der Gesellschaft gegenüber, sie hat das Zusammenleben aller Menschen zu regeln. Große Unternehmen, wie die Strabag, spielen hierbei eine zentrale Rolle und ihre Geschäftsführer sind die Persönlichkeiten, die am Ende zu der Verantwortlichkeit gezogen werden (sollten). Zum Glück haben Sie das ja schon erkannt, auf ihrer Webseite sprechen sie von “Verantwortung gegenüber allen unseren Interessenvertretern (Aktionären, Kunden, Mitarbeitern, Nachunternehmern, Behörden, Mitbewerber, Medien, der Gesellschaft als Ganzes)”. Froh bin ich, dass Sie, wie ich dem Vorwort des Strabag Nachhaltigkeitsbericht 2005 – 2007 entnehme “Ihre Verantwortung, die über Ihre unternehmerische Tätigkeit hinausgeht, seit Jahren sehr ernst nehmen” und möchte sie daher bitten: Ninehmen Sie sie weiterhin ernst, sehen sie vom Ausbau des slowakischen Atomkraftwerks Mochovce ab und investieren Sie in zukunftsträchtige Sparten.

Es gibt große und wichtige Themengebiete in denen Bauunternehmen wie die Strabag gerade heute zukunftsweisende Projekte mitgestalten könnten. Nachhaltige Infrastruktur und erneuerbare Energie sind sicher zwei davon. Tunnelbau für Zugfernverkehr zum Beispiel oder der Ubahnbau in Dehli wären hier zu nennen.

Ich bin überzeugt, dass Sie als Mensch, Politiker und Industrieller genau wissen, dass es richtige und falsche Entscheidungen gibt; innovative, zukunftsweisende und feige, rückschrittliche, bitte treffen Sie die Richtige, damit Sie und ich mit reinem Gewissen schlafen können und keine Angst vor Reaktorunfällen haben brauchen!

Danke & beste Grüße,
Armin Soyka

Eine Empfehlung an jeden und jede sich auch die Zeit zu nehmen so einen Text zu schreiben und abzuschicken, nur wenn wir alle unsere gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen und aufstehen für und gegen die Dinge die uns passen oder eben auch gar nicht, funktioniert Demokratie und aktive Teilnahme aller daran.

PS: Neben dem Greenpeaceformular habe ich meine Mail auch über die Kontaktseite von strabag.at geschickt. Doppelt hält besser

PPS: Kommentare sind ausdrücklich erwünscht!