Herr Strache liefert seit kurzem auf seinem Facebookprofil in der Sendereihe “HC Strache – Ohne Maulkorb” etwa zwei mal pro Woche seine Ansichten zu allen möglichen Themen. Viel habe ich auf Facebook schon über diese Videos diskutiert, mehrere Kommentare zu dem untersten Video haben das Fass zum Überlaufen gebracht.
ich will jz ned wieder als rechts extrem genannt werden aber kein mensch dieser welt könnte mir ein gültiges gegen argument zu diesem video sagen. Ich vertseh auch nicht was an diesem video so org is, das es so is kann keiner leugnen. Mag sein das sich die FPÖ in anderen sachen deppat verhält aber das was in diesem video vorkommt triffts ziemlich genau…
Hat da ein Freund auf Facebook unter das Video “Integration von HC Strache” geschrieben (facebook/youtube). Die Argumente will ich hier bringen. Ich weiß, dass ich Herrn Strache damit mehr Raum gebe, seine Ideen an den Mann/Frau zu bringen, aber ich kann nicht anders! Er macht Angst, er hetzt, er lügt. Das muss einmal eingehend belegt werden.
Eines noch. Ich sage nicht, dass Herr Strache ein Nazi ist, ich sage nicht, dass alle FPÖ-Wahler (oder Mandatare) Faschisten sind und ich sage auch nicht, dass die FPÖ grundsätzlich lügt. Ich schwinge nicht mit der Faschismuskeule sondern versuche zu zeigen, was alles falsch ist an dem, was in diesem Video gesagt wird.
“Wien ist eine der sichersten Städte der Welt” – richtig!
“Dieser Ruf ist ernsthaft in Gefahr, es vergeht kaum ein Tag an dem die großen Tagesmedien nicht von Einbrüchen, Überfällen und auch Mordanschlägen berichten” – Falsch! Geht man auf standard.at, diepresse.com, orf.at oder kurier.at (das sind, denke ich, die großen Tagesmedien) findet man auf den Startseiten genau 4 Artikel bzgl Sicherheit in Österreich (Wien: Polizei entfernt Hausbesetzer in Favoriten, Kriminalität: Aufklärung steigt kaum, Massenschlägerei in Traiskirchen und Österreich für Schlepper “goldenes Land”), einer davon hat etwas mit Wien zu tun, keiner mit Einbruch, Überfall oder gar Mordanschlag – schon gar nicht im Plural! Man kann auch auf news.google.at gehen und dort versuchen, Herrn Straches Aussagen zu verifizieren. Googelt man dort nach den Schlagwörtern Wien und Sicherheit und sucht nach Meldungen des letzten Monats, findet man 32 Artikel zu dem geplanten Ausbau des slowakischen Atomkraftwerks Mochove oder 24 Artikel zu Herrn Häupels Schweigetaktik. Artikel zu Überfällen, Einbrüchen und Mordanschlägen sucht man auch hier vergebens. Ja, die Zahl der Anzeigen steigt stetig in Wien (Die Gesamtanzahl der angezeigten Fälle stieg in Wien im Vergleich zum Vorjahr von 157.553 auf 173.024 an. Dies bedeutet einen Anstieg um +9,82 % im Jahresvergleich zu Jänner bis September 2008) – um wieviel die Kriminalität steigt, kann man daraus nicht ablesen, kann auch sein, dass früher eben weniger angezeigt wurde.
“Ein besonderes Problem stellte in den vergangenen Monaten die extrem ansteigende Jugendkriminalität dar” - Worauf diese Aussage beruht, weiß ich nicht. Jugendkriminalität ist nicht im Steigen, schon gar nicht extrem. Zumindest sagt das die Kinder- und Jungendanwalschaft Wien. Die Aussage im ORF ist zwar schon etwas veraltet, ich hatte aber vor drei Wochen das Vergnügen mit besagtem Dr. Anton Schmid im Rahmen einer Podiumsdiskussion zu sprechen – dort hat er mir das bestätigt. Immer wieder betonte er auch im Zuge der Diskussion bezüglich den Vorfällen im Kremser Supermarkt, dass es keine Radikalisierung der Jugend gebe (weder Richtung “rechts” noch Richtung Gewaltbereitschaft). Claudia Smolik (Grüne Gemeinderätin in Wien) weist hingegen hier darauf hin, dass die Daten der Jugendkriminalität seit 2001 anders erhoben würden. In der monatliche Kriminalstatistik des Bundesministerium für Inneres für den September (Achtung: pdf) wird extra auf den österreichweiten Rückgang der Kinder- und Jugendkriminalität hingewiesen:
Rückgang der Kinder- und Jugendkriminalität setzt sich fort
Die Daten der Septemberstatistik zeigen auch weiterhin einen deutlichen Rückgang im Bereich der Kinder- und Jugendkriminalität. Gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres ist bei den 10- bis 14-Jährigen ein Minus von 15,1 Prozent und bei den Jugendlichen unter 18 Jahren ein Minus von 10,2 Prozent zu verzeichnen.
Tabelle 3: Statistik Kinder und Jugendkriminalität Vergleich Jänner bis September 2008*/2009²
10 bis unter 14 J. 5.091* 4.324² -15,1% (Rückgang)
14 bis unter 18 J. 26.631* 23.909² -10,2% (Rückgang)
Zahlen für die Entwicklung der Jugendkriminalität in Wien konnte ich trotz intensiver Recherche NICHT finden! Herr Straches Aussage entbehrt jeglicher Grundlage!
“Hier zeigt sich ganz deutlich die verfehlte und aus allen Ufern laufende Zuwanderungsproblematik in Wien” - abgesehen davon, dass die Jugendkriminalität nicht steigt sondern massiv sinkt, halte ich die Verbindung von angeblicher Jugendkriminalität mit Zuwanderungsproblematik für bedenklich. Hier werden Vorurteile geschaffen, Ängste geschürt und Kriminalität mit Migration/Zuwanderung gleich gesetzt.
“Türkische, kurdische und tschetschenische Jugendbanden bekämpfen sich oft gegenseitig selbst!”- Es gibt Jugendbanden. Keine Frage. Aber Berichte wie dieser gehen selten auf Nationalitäten ein. Sucht man gezielt nach Jugendbande, Wien, Türkisch findet man sehr vereinzelt Berichte, teils Jahre zurück. Dasselbe gilt für Kurdische Jugendbanden (Wien), wie für Tschetschenische Banden. Liest man sich so die Schlagzeilen durch, sieht man sehr schnell, dass es sich in den wenigsten Fällen um tatsächliche Bandendelikte handelt. Schaut man sich die Googlenews Analyse für die Begriffe Jugendbande und Wien, Jugendbande oder Jugendkriminalität Wien an und vergleicht diese mit den tatsächlichen Zahlen des Innenministeriums, sieht man, dass die Berichterstattung deutlich stärker ansteigt als die tatsächliche Zahl der Anzeigen (um von Verurteilungen gar nicht erstzu sprechen).
2008 gab es vom Nationalratsabgeordneten Christian Hörbart (FPÖ) eine parlamentarische Anfrage bezüglich Jugendkriminalität an Innenministerin Fekter (mit 12 sehr spannenden Fragen). Dank Auskunftspflicht antwortete die Innenministerin auch umgehend (hier die Antwort). Sehr spannend fand ich, dass “die soziale Herkunft der ermittelten Tatverdächtigen in der polizeilichen Kriminalstatistik nicht erfasst” wird. Die Behauptung, dass türkische, kurdische und tschetschenische Jugendbanden einander die Köpfe einschlagen würden, ist weder mit Medien noch mit Zahlen des Innenministeriums zu belegen! Herr Strache versucht Angst zu machen!
Ich weiß, ich bin erst bei Minute 1 angelangt. Es fehlen noch drei Minuten, aber meine Zeit ist abgelaufen. Aber da waren einfach zuviele Unwahrheiten drinnen.
Eines habe ich hoffentlich gezeigt: Die letzte Aussage des Videos “Daher aus für Häupl - HC Strache kann es besser!” ist ebenso falsch wie die vorangehenden 4 Minuten.
