Christlicher Atheist?

Geschrieben von Armin Soyka am Montag, 21 September, 2009 um 16:56

Ich glaube nicht an Gott. Zumindest nicht an einen dreifaltigen wie das das Christentum tut und schon gar nicht einen personifizierten, wie einem das ein (Kinder-)leben lang eingetrichtert wird. Es ist für mich einfach nicht glaubbar, dass da oben einer sitzt, der zuschaut, über Gut und Böse urteilt, der Menschen erlaubt in den Himmel zu kommen und anderen eben nicht, der Sünden vergibt und Menschen gesund macht, der Böses verhindert oder zulässt (wie es ihm (oder ihr!?!?) gerade passt) oder der die Welt innerhalb von sieben Tagen geschaffen hat. Ich kann mir einfach nicht vorstellen. Noch nicht! Ich bin ja durchaus offen für neue Argumente und andere Sichtweisen, will gerne “lernen” an Gott zu glauben. Vielleicht interepretiere ich das ja alles nur falsch und kenne mich gar nicht aus. Ich sage ja gar nicht, dass es nicht nett wäre, da einen liebenden Gott bei der Hand zu haben, der Schuld vergibt, Kraft sendet, Leben plant, liebt und Hoffnung spendet, der uns einen höheren Sinn als die Fortpflanzung, eine Mission gibt und der Himmel wäre ja ein großartiges Ziel, das man nur sein Leben lang anzustreben braucht. Das wäre ja ganz schön und sicher inspirierend, aber für mich ist das einfach unglaubwürdig – es macht für mich einfach keinen Sinn.

Atheist per Definition.

Und wenn ich erklären müsste, wie ein Gott in meine Welt passt, dann wäre es ein transzendenter. Einer der Grenzen überschreitet, und in allem drinnen ist, der zwar eine unendliche Kraft ist aber keinerlei Macht hat Dinge zu beeinflussen und auch keinen Willen. Tom Honey, ein britischer Priester, kommt zu ungefähr der Vorstellung von der Natur Gottes, die ich unter Umständen in mein Weltbild quetschen könnte, als er sich fragt “How could a loving god let the tsunami happen?” (19 minütiges sehr lohnendes TED-Video). Aber das würde ich dann nicht Gott nennen, weil in meinem Kopf halt zwangsweise verwurzelt ist mit langer Bart, alter Mann, auf einer Wolke, neben ihm Jesus und Petrus, Englein und lauter fromme Leute – und rund herum eine Mauer von der sich die Architekten der Festung Europa noch einiges abschauen können und unten, ganz unten sind halt die bösen Menschen. Das ist in meinem Kopf halt verschweißt.

Christlicher Atheist?

Trotzdem gehe ich gerne in die Kriche. Obwohl ich anscheinend als Atheist zu bezeichnen bin, macht es mir, abgesehen von den netten Leuten, die ich dort treffe (vertrauter Freundeskreis), Freude mich mit den christlichen Werten, Ideen und Gedanken zu beschäftigen. Ich kann ihnen viel abegwinnen. Leider (so mein Gefühl) praktizieren, die aller wenigsten Christen die zentralsten christlichen Werte wie Nächstenliebe & Vergebung, und all die schönen damit verbundenen Dinge wie Solidarität, soziale Gerechtigkeit, Gewaltlosigkeit, Toleranz,… Besonders bei der heimischen christlichen HeimatVolkspartei und auch bei der sozialen Heimatpartei, deren Oberguru sich ja gerne mit dem Kreuz zeigt, vermisse ich solche (umgesetzten) Werte leider.

Gestern war ich zum Beispiel mal wieder in der Kirche und davon wollte ich berichten. Warum? Um Lust zu machen auch mal zu gehen, denn es ist hochgradig erfrischend, motivierend und lehrreich sich soetwas von einem kritischen, außerkirchlichen Standpunkt anzuschauen. Ich glaube nicht an Gott, ich lehne die meisten Dinge, die die Katholische Kirche, als Organisation tut (Zölibat, Umgang mit Frauen, Verurteilung von Verhütung, bedingungslose Ablehnung von Abtreibung,…) ab – vieles widert mich an! – ich habe die Bibel nicht gelesen und zahle keine Kirchensteuer und trotzdem, trotzdem glaube ich, dass Kirche etwas besonderes ist. Ich möchte euch alle, die ihr hier mitlest (die wenigsten vermute ich gehen ab und zu in die Kirche) Lust machen mal mitzukommen. Ich möchte motivieren euch kritisch mit den Begriffen Glauben, Christentum, Katholiken, Kirche, Gott, Jesus auseinader zu setzen – um Antworten zu bekommen. Mein Gefühl ist nämlich, dass es – besonders unter jüngeren Menschen viele Fragen gibt, dass es vielen schwer fällt eine eigene Meinung zu all diesen (wichtigen) Begriffen zu haben – und viele es dann eben vorziehen keine Antworten und keine Meinungen zu haben. Aber ist das befriedigend?

Lust machen auf mehr!

Hier also mein Bericht von der gestrigen Messe. Gleich vorweg, ich bin mir bewusst, dass es nicht in jeder Pfarre solche Messen gibt. Das kann es nicht. Hier trifft sich – meiner Meinung nach – einfach ein begnadeter Priester, mit innovativen Jugendlichen und einer aktiven Gemeinde. Ich bin froh in dem Pfarrgebiet Gersthof zu leben, denn anders hätte ich vieles niemals kennegelernt.  Ich bin dankbar, ich bin froh und jedes mal wenn ich zu einem Gottesdienst gehe (ja der Name stört mich, ich diene keinem Gott, wenn ich da hingehe, sondern nur mir!) macht mir Lust auf mehr, ich will euch zeigen warum!

  • Die Partizipation. Jugendmessen sind Messen von und für Jugend. Sie werden von -30 Menschen vorbereitet und jeder kann sich und seine Ideen einbringen. Es gibt ein Jugendteam der Pfarre, das sich Themen, und Messablauf überlegt. Jeder der Lust hat, kann mitvorbereiten. Neue Impulse werden gehört, dankbar entgegengenommen. Aber nicht nur in der Vorbereitung ist Platz für neues und eigenes, die Messen werden so geplant, dass jeder sich einbringen kann, das jeder mitmachen kann. Egal ob bei den Fürbitten oder beim Singen. Es gibt Raum für persönliche Entwicklung. Und was du nicht machen willst, tust du einfach nicht. Du musst das Glaubensbekenntnis nicht sprechen, wenn du nicht daran glaubst. Du musst nicht zur Kommunion gehen, wenn dich der Gedanke daran, Jesu Fleisch zu essen anwidert. Du musst das Vater-Unser nicht mitbeten wenn es dir wiederstrebt, dass “Gottes Wille” geschehe. Du musst keine drei Kreuze beim Evangelium auf Stirn, Kinn und Brust machen. Du musst auch kein Kreuz schlagen am Anfang, am Ende oder in der Mitte der Messe wenn du nicht an einen dreifaltigen Gott glauben willst oder kannst. Du musst dich nicht hinknien bei der Gabenbereitung. Du musst nicht murmeln, dass du nicht würdig bist, dass irgendwer unter dein Dach eingeht. Du musst nicht mitsingen und auch niemandem den Frieden des Herren wünschen. Du musst es alles nicht. Du kannst. Du kannst, wenn du willst. Du kannst dir das herausnehmen, was dich interessiert. Und keiner wird blöd schauen, keiner wird dich auszuschließen suchen, keiner! Und wenn doch sollte er sich schämen. Nach ihrem Glauben liebt Gott alle. Nach ihrem Glauben sind alle seine Kinder, egal ob sie das auch so sehen oder nicht. Niemand hat das Recht dich zu etwas zu drängen! Ob das wirklich Realität ist, fragst du dich? Ich kann dir aus eigener Erfahrung sagen: Ja. Denn ich praktiziere es. Ich tue all die aufgezählten Dinge nicht. Früher, ja da wollte ich umbedingt dazugehören. Da habe ich bei den Dingen einfach mitgemacht, die ich für (Hinter)fragwürdig hielt. Jetzt weiß ich, dass ich ein respektierter Teil der Gemeinschaft bin, ganz ohne alles mitzumachen. Ich wähle aus, was ich will. Und keiner hat ein Recht mir da hineinzureden.
  • Die Fürbitten. Natürlich Fürbitten sind komisch. Wen sollte ich denn um Weltfrieden, ein erfolgreiches Schul- oder Arbeitsjahr bitten? Gott? Der, der den Tsunami verhindert hat? Der der den Irakkrieg verhindert hat? Der, der eine milliarde Menschen Essen gegeben hat? Nein. Den brauche ich nicht bitten. Der wird mir nichts geben. Aber ich, ich kann mir vieles geben. Bitten können auch Bitten an mich selbst sein. Sie können Vorsätze sein, die ich fasse um in meinem Leben die Dinge so zu regeln, wie ich sie haben möchte. Sie können Ziele sein, Ziele, die wir erreichen können. Nicht so wie die Ideale unserer heutigen Gesellschaft: Markellosigkeit, wenig Arbeit, Reichtum, Schönheit, Dünn… Sie können Ideen sein, kleine Dinge, die wir schon immer ändern wollten. Und wir müssen sie nicht vor der gesamten Gemeinde in die Welt hinausschreien, wir können sie für uns fassen. Still und alleine. In Ruhe und mit Bedacht. Wann haben wir für sowas sonst Zeit? Wann nehmen wir uns sonst Zeit für sowas? Zeit für uns – in uns zu gehen und zu spüren wie es uns geht. Zu fühlen, was uns fehlt. Zu überlegen, wie wir bekommen/erreichen können was uns fehlt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass nur wenn ich wirklich nichts anderes tun kann ich mir Zeit für mich nehme. Wenn ich in der Kirche sitze und warte bis die Brotverteilung vorbei ist habe ich Zeit. Da ist entspannende Orgelmusik, da gibt es nichts außer mir und meinen Gedanken. Raum – Freiraum – für mich!
  • Das Evangelium. Evangelium nach Markus 9,30-37: “Sie gingen von dort weg und zogen durch Galiläa. Er wollte aber nicht, daß jemand davon erfuhr; denn er wollte seine Jünger über etwas belehren. Er sagte zu ihnen: Der Menschensohn wird den Menschen ausgeliefert, und sie werden ihn töten; doch drei Tage nach seinem Tod wird er auferstehe. Aber sie verstanden den Sinn seiner Worte nicht, scheuten sich jedoch, ihn zu fragen. Sie kamen nach Kafarnaum. Als er dann im Haus war, fragte er sie: Worüber habt ihr unterwegs gesprochen? Sie schwiegen, denn sie hatten unterwegs miteinander darüber gesprochen, wer (von ihnen) der Größte sei. Da setzte er sich, rief die Zwölf und sagte zu ihnen: Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein. Und er stellte ein Kind in ihre Mitte, nahm es in seine Arme und sagte zu ihnen: Wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt nicht nur mich auf, sondern den, der mich gesandt hat.
    In der Bibel steht viel blödes. Das behaupte ich einfach mal, ohne sie ganz gelesen zu haben. In der Bibel steht aber auch viel Wahres, viel Schönes, viel Gutes. Das Evangelium von gestern ist vielleicht nicht auf den ersten Blick klar verständlich. Und es mag nicht in allen Punkten Sinn machen, aber die zentrale Botschaft ist doch: Dient einander. Steht ein füreinander. Fragt einander: “What can I do for you?”. Solidarität. Unterstützung. Tragt die Gemeinschaft gemeinsam weiter! All diese Dinge sind gut. Zumindest in meiner Gut/Böse-Werteskaler. Dazu brauche ich mich nicht einem Gott zu unterwerfen. Da brauche ich mich nicht einem (angeblichen) irdischen Vertreter unterwerfen. Da brauche ich nicht Amen sagen, aber da kann ich ja sagen!
  • Die Predigt. Sie folgt auf das Evangelium und ist eine Interpretation des Evangeliums durch den Pfarrer. Sie erhebt (zumindest bei uns) keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Wahrheit. Sie ist mehr wie eine Zeitungskollumne, eine Meinung. Sie bringt neue Impulse und Denkanstöße. Sie spricht von tagespolitischen Themen (“Kaum hat uns der Billigflieger wieder sicher nachhause gebracht – hoffentlich – startet das Arbeitsjahr und alles beginnt von neuem..”), aber sie ist weit mehr. Sie macht Hoffnung. Sie zeigt Missstände auf und kritisiert. Mahnt ein und fordert.  Aussagen wie “Zwitracht ist nicht gut. Aber Eintracht genausowenig. Wir können nicht alle über einen Kamm geschärt werden, jeder von uns ist einzigartig.” oder “Wir müssen uns erneuern, immer und immer wieder, wir müssen uns verändern.  Und hoffentlich können die jungen Menschen sagen: “Wir haben einen Platz, die Erwachsenen nehmen uns ernst. Wir sind wichtig, weil wir sind die Zukunft, wir sind der Nach-Wuchs”" hört man nicht alle Tage.
  • Die Musik. Wir haben eine sehr aktive Gemeinde, jeder oder die meisten singen mit. Bei Jugendmessen singen oft extra Chöre oder Bands. Kirchenlieder an sich sind sehr simpel, aber auch beruhigend, bewegend und geben dir die Möglichkeit dich fallen zu lassen. Aber auch die Inhalte der Musik sind spannend. Texte wie “Ja ich glaube daran und da halt ich mich an, denn ich will für mein Leben einen Sinn.” oder “Brot, das die Hoffnung nährt, Freude, die der Trauer wehrt – Lied, das die Welt umkreist, dass die Welt umkreist. – Wolke, die die Feinde stört, Ohr, das von Rettung hört – Lied, das die Welt umkreist, das die Welt umkreist. – Wort, das das Schweigen bricht, Trank, der die Brände löscht Lied, das die Welt umkreist, dass die Welt umkreist – Regen, der die Wüsten tränkt, Kind, das die Großen lenkt Lied, das die Welt umkreist, dass die Welt umkreist – Kraft, die die Lahmen stützt, Hand, die die Schwachen schützt Lied, das die Welt umkreist, dass die Welt umkreist – Brot, das sich selbst verteilt, Hilfe, die zu Hilfe eilt – Lied, das die Welt umkreist, dass die Welt umkreist” Um dich mit ihnen auseinanderzusetzen musst du nicht katholisch sein, nicht mal christlich. Das sind auch Themen die “nicht gläubige Menschen” wie mich zum Beispiel beschäftigen und die Ideen sind wertvoll für mein Leben. Ich will Hoffnung, ich will Freude, ich will hören, sehen, fühlen. Und ja auch ich will an etwas glauben. Ich will Visionen haben, ich will über mich hinauswachsen. Ich will das halt nicht, damit ich in den Himmel komme, sondern schlicht und ergreifend, weil ich es für richtig halte, aber das ist doch egal!
  • Die Offenheit. Egal ob für neue Ideen, andere Gedanken oder alternative Messabläufe. Es ist Raum. Der Pfarrer ist einfach bereit sich vor den Altar zu setzen, damit er näher bei “seinen Schafen” sitzt und er nimmt dafür in Kauf in ein provisorisches, wackelndes Mikro zu sprechen. Derselbe Priester übrigens, der in den Sommerferien eine Woche in Serbien verbrachte um dort kurzärmlig, ohne Kreuzzeichen und Schuhe in einer Moschee einen Wortgottesdienst zu halten und eine ehemalige Gersthoferin zu vermählen. Es ist einfach anders, einfach offen. Statt Fürbitten vor der Gemeinde sprechen zu lassen, werden Blumenzwiebeln in Erde gepflanzt – als “Saat der Gerechtigkeit”. Die Stimmung ist so locker, dass Dialoge wie dieser stattfinden können: “Wie lange brauchen die Zwiebeln denn bis sie aufgehen?” “Die Blumen werden im März blühen” “Das ist aber eine lange Zeit – Sechs Monate!” “Die Saat der Gerechtigkeit braucht ihre Zeit!” Anschließend an die Messe gibt es eine Agape, also eine kleine Jause zu der jeder eingeladen ist – ohne “freiwillige” Spende, einfach so um der Gemeinschaft Willen. Vollkornweckerln gab es unter anderem gestern. Ein nettes Beisammensein. Diskutieren über Gott und die Welt. Politik, Klatsch und Trasch, was eben so interessiert. Es gibt Platz dafür. Aus einem 0-8-15 Schlusssegen wird ein inspirierender Abschluss. Aus Teamwork zwischen männlichem Priester und männlichem Diakon wird Zusammenarbeit zwischem männlichem Priester und weiblicher Vorbereiterin. Aus “Es segne euch der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist” wird ein “Ich wünsche dir, dass du Spuren der Freude hinterlässt und des Glücks, Spuren der Hoffnung und der Liebe, Spuren der Gerechtigkeit
    und des Friedens, und dass du da, wo du anderen weh getan hast, Vergebung erfährst.” und aus einem “Gehet hin in Frieden!” wird ein “Dazu segne dich unser Gott des Friedens, der Liebe und der Hoffnung, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.” Und solche Dinge passieren dauernd. Sie inspirieren mich und sie geben mir Antworten, Antworten, die ich sonst nirgendst bekomme. Und vor dem Segen gibt es ein Schlussgebet und es baut auf, macht Groß, spendet Hoffnung: “Lass uns mit deiner Zuversicht wirken, jede Stunde dieser Woche. Lassen wir die Saht der Gerechtigkeit aufgehen in jedem Moment.”

Mir macht das Lust auf mehr. Mir gibt das Antworten. Mir macht das Hoffnung – auf eine Zukunft hin, in der ich leben möchte. Mich inspiriert das. Mich beschäftigt das. Mir gibt das Antworten. Mich freut das. Da gibt es viel Schlechtes. Aber da gibt es auch viel Gutes. Und gerade die Jugendmessen, gerade in dieser Pfarre, gerade mit diesem Priester bewegen mich!

PS: Die nächste Jugendmesse findet am 18. Oktober statt (immer der dritte Sonntag des Monats)!

3 Kommentare zu dem Artikel “Christlicher Atheist?”

  1. Lena

    mir gefallen deine Ansichten über Gott, auch wenn ich sie nicht ganz teile
    das mit den Messen in Gersthof hab ich ähnlich erlebt
    ich gehe zwar in keine mehr habe sie aber in wirklich guter Erinnerung =)

  2. Tom

    Mein lieber Armin!

    Gleich vorweg muss ich zu meiner Scham eingestehen, dass ich den Teil in dem du in voller Ausgelassenheit aufzählst, welche Besonderheiten die Messen, an denen du teilnimmst, nicht aufweisen, ab dem 3. Absatz nicht ferner beachtet habe, da ich mir durch die Überschriften und dem, was ich darüber bereits gelesen habe, ein etwaiges Bild dessen machen konnte, was mich im Inhalt erwarten würde, also verzeih mir, falls ich nun über etwas drüberfahren sollte, das du in ebenjenen Absätzen evtl. schon erläutert hast.

    Ein großes Problem in der katholischen Kirche sind Leute wie du. Das heißt nun überhaupt nichts Böses, ist nicht wertend gemeint und überhaupt ist das Wort “Problem” ohnehin falsch gewählt. Was ich sagen will ist, dass man, sofern man die Bibel nicht im Ansatz las, in der Kirche eher fehl am Platz ist. Dass bei den Katholiken das Bibellesen schon in frühen Zeiten hinter die Lehren (und Dogmen…) der Kirche gestellt wurde, ist kein Geheimnis (ich will hier als Protestant nicht überheblich rüberkommen; Fakt ist aber, dass ja die Uridee der Protestanten ist, dass die Kirche weit nach der Bibel als Quelle heranzuziehen ist), dass dadurch aber zahlreiche Schäfchen Wachs in Händen der Priester sind, entgeht vielleicht so manchem und so mancher (es freut dich vielleicht, wenn ich mich zumindest darin versuche zu gendern … )

    Dass du in deiner Gemeinde offenbar auch mit deinen eigenen Anschauungen nicht auf Ablehnung stößt, ist etwas, das ich in meinen Kirchen oft misse; ferner würde ich mir auch wünschen, dass vielleicht erläutert wird WARUM wir “den Leib Christi” symbolisch essen und dass es vielleicht eine andere Interpretation Jesu Worte geben könnte, stattdessen wird – auch bei uns Protestanten – einfach nur heruntergelullt und jeder macht das nach, was alle tun -> gut is.

    Doch genug Tamtam, ich wollte ja noch etwas zum GLAUBEN loswerden:

    “Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden!”

    So sprach Jesus Christus, durch die Bibel überliefert.

    Die Idee dahinter ist simpel: Tu das Gute, setze dich für die Gerechtigkeit ein oder “Tu deinen Mund auf für die Stummen und die Sache aller, die verlassen sind”, wie es anderswo in der Bibel (Sprüche 31,8) heißt und am Ende deines Lebens wirst du reichen Lohn dafür erhalten; eigne deiner Seele Reichtum an, nicht dem Leib.

    Ob dein Lohn nun sein wird, dass du neben einem großen, bärtigen Mann und seinem Sohn mit dem Goatee und dem wallenden Haar Platz nehmen darfst, oder, dass du zufriedener und friedvoller sterben wirst, weil du dein Leben lang das Gute tun wolltest, sei dahingestellt. Teufel noch eins, selbst wenn du mit (vermeintlich) leeren Händen aussteigst, ist es immer noch eine gute Sache gewesen.
    Und ich glaube, dass du das auch denkst. Ich denke, du tust Gutes, nicht, um von allen gepriesen zu werden, nicht um ein höheres, böses Ziel zu erreichen, sondern aus deinem Inneren heraus, weil du für dich denkst, dass es das Richtige sei und das allein, und möchtest du Gott noch so sehr leugnen, zieht dich wiederum in seinen Wohlwollen. Zumindest soweit mein Eindruck von dir der richtige ist.

    Vielen Dank übrigens noch, für den persönlichen Hinweis auf den Artikel.

    Ergebenst,

    Thomas

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  1. Religion und Glück @ Armin Soyka / Blog

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