Archiv für Kategorie Einblicke

Religion und Glück

Verfasst von Armin Soyka am Sonntag, 20 Dezember, 2009

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“Alle Menschen wollen Glücklich sein” hat Aristoteles gesagt. Und gleichzeitig – fährt man  Ubahn, wandert man durch die Straßen, zippt man durch die sozialpornographischen Realityshows – findet man das, was wir alle wollen nur sehr selten – lächelnde, gar strahlende Menschen sind selten. Aber glücklich sein kann man lernen. Deswegen habe ich einen Glücksforscher zu uns in die Pfarre eingeladen, um darüber zu sprechen.

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We’ll need to rethink some things.

Verfasst von Armin Soyka am Dienstag, 24 November, 2009

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Often people ask me, why I have over a thousand facebookfriends – even if I don’t know them in person. Often I’m asked, why the hell I am tweeting to “the public” and everybody can read what I think, read, do or recommend. Sometimes I have to explain why I’m writing a blog (a weird thing – like a public diary). Weiterlesen »

Nachbetrachtung: Ja, grün is’ es!

Verfasst von Armin Soyka am Sonntag, 22 November, 2009

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Ich komme zurück vom Zukunftskongress und bin überwältigt. Ich bin erfüllt mit Zuversicht, Hoffnung und Tatendrang. Und nein, ich bin nicht alleine! Diese rund 12 Stunden intensive Auseinandersetzung mit den Grünen, den Ideen und den vielen neuen Gesichtern vor Ort haben mir Kraft gegeben und endgültig JEDEN Zweifel zerstreut. Meine Energie ist hier gut angelegt. Heute ging es den Grünen, die aus ganz Österreich nach Wien strömten, darum die Zukunft zu diskutieren. Weiterlesen »

Zwischenbericht vom grünen #zukunftskongress

Verfasst von Armin Soyka am Sonntag, 22 November, 2009

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Die  30 Thesen wurden online stark diskutiert, die Ergebnisse werden heute beim Zukunftskongress der Grünen (in Wien, Colosseum XXI) auch vor Ort von rund 600 Mitdiskutierenden durchdacht. Das Resultat sollen langfristige Zukunftspapiere, wie konkrete Aufgaben an die Grünen sein. Ich bin seit über 6 Stunden hier und das ist mein erster Zwischenbericht. Weiterlesen »

#unsereuni ist lebt weiter!

Verfasst von Armin Soyka am Mittwoch, 11 November, 2009

Es ist bezeichnend für unsere Bewegung. Die Protestwelle rollt. Und trotzdem hört man immer mehr Stimmen, die meinen, wir würden schlapp machen. Bei uns sei die Luft raus. Dabei sprechen die Fakten eine ganz andere Sprache. Über 30.000 Fans auf Facebook, Twitter zählt 33. 654 Tweets, heute wurden weitere 4 Unis besetzt (unter anderem in Basel, Birmingham und Berlin), womit die Zahl der besetzen Unis auf  30 steigt. Die Vernetzungs AG (Arbeitsgruppe) hat mittlerweile Kontakt zu Unis auf der ganzen Welt, von Moskau über Süd Afrika bis nach Californien, es wird nachgedacht und dann besetzt.

Im Plenum seien kaum mehr über 300 Leute da heißt es dann meistens. Die, die so denken, möchte ich beruhigen (sofern es das tut). Im Audimax sitzen 300 Menschen, im Presseraum schreiben 10 an Pressetexten, 8 programmieren an der Webseite, 12 Leute kümmern sich um Flicker und die Videoseite. Im ORGA-Raum diskutiert auf der einen Seite die AG MigrantInnen über ihre weitere Partizipation (Beteiligung), während in der anderen Raumhälfte die AG Plenum das Abendprogramm vorbereitet, in der Mitte sitzen zwei und pressen Buttons. DieVolksküche ist voll und voller Elan bei der Arbeit und nicht vergessen, in Wien sind noch vier andere Unis besetzt.

Wir sind nicht fertig, auch wenn’s im Stream anders ausschaut.

Zweiter Tag, Zweiter Einblick – Venedig

Verfasst von Armin Soyka am Freitag, 30 Oktober, 2009

Wenn man in ferne Länder zieht, sieht man viel Neues. Je weiter man geht, desto mehr ist anders. Je länger man bleibt, desto besser versteht man. Je offener man ist, desto mehr kann man mitnehmen.

Auch wenn ich mich als relativ offenen und progressiven Menschen bezeichnen würde, ist meine Erfahrung, dass ich, wenn ich an neue Orte komme, zwar viel Neues sehe, das wenigste aber wirklich positiv oder nachahmenswert finde. Ich denke, das kommt daher, dass ich in dem 6. reichsten Land der Welt lebe. Natürlich gibt es vieles zu verbessern. Visionen und Ideen gibt es genug. Um aber auch auf dem Boden der Realität zu bleiben: Wir sind reich, gebildet und gesund. Es gibt Aufstiegschancen (für die Meisten) und wir haben schönes Wetter. Unsere Wirtschaft boomt zwar nicht, es geht ihr und uns aber ganz gut. Ich bin im Überfluss (an materiellen und immateriellen Gütern) aufgewachsen. Hunger, Armut oder Angst habe ich nicht mal im Fernsehen kennengelernt (das durfte ich nicht sehen). Einige Beispiele habe ich eh schon gestern angeführt. Hier eine Erweiterung.

Sicherheit. Im letzten Jahr war ich viermal im Ausland. Lissabon, Schottland, Frankreich (Bretagne und Paris) und jetzt Venedig habe ich einen Besuch abgestattet. An allen vier Orten ist mir aufgefallen, wie videoüberwacht all diese Länder sind. Schottland war extrem. Dort gibt es wirklich an jedem öffentlichen Platz, in jeder U-Bahn und allen Supermärkten Überwachungskameras. Paris war auch unangenehm, Lissabon ebenso. Venedig kann zwar keine dieser drei Städte toppen, aber auch hier findet sich jeder, der genau schaut, alle paar Ecken von einer Videokamera erfasst. Ich mag das nicht. Mir ist das unangenehm. Dafür gibt es mehrere Gründe und keiner davon hat etwas damit zu tun, dass ich etwas zu verstecken hätte (außer mein Privatleben!), aber keinen werde ich hier erklären. Aus dem Konzept brachte mich die Frage einer Mitschülerin, mit der ich darüber diskutierte, was sie denn dagegen tun solle/könne, dass Menschen Kameras aufstellen. Ich konnte ihr keine wirkliche Antwort geben. Was soll sie dagegen tun, dass PolitikerInnen beschließen ihrem Volk Angst zu machen, Geschäftsleute sich ausrechnen, dass mit Überwachungsmaßnahmen Profit zu machen sei, oder dass Individuen dann den vorgegeben Ängsten erliegen, ohne ihr ganzes Leben der Thematik zu widmen. Also habe ich nachgedacht und ich bin auf vier Punkte gekommen:

  1. Beobachten und Problem beschreiben.

  2. Sich über das Problem informieren.

  3. Mulitiplikator sein: Mitbestimmen, wie die öffentliche Meinung ist. Diskutieren und auf Probleme hinweisen.

  4. Eingreifen: Wahl treffen und zivilcouragiert Handeln.

Diese vier Punkte lassen sich, denke ich, mit relativ wenig Zeitaufwand, auf alle gesellschaftlich relevanten Problemstellungen anwenden. Rassismus, Sexismus, Antisemitismus, Faschismus. Wer sich übrigens fragt, was mit den ganzen aufgenommenen Bildern passiert, kann sich ja mal das hier durchlesen. Durcheinandergebracht hat mich noch die Frage, was die optimale Grenze zwischen Sicherheit und Freiheit ist. Die Antwort ist sehr umfangreich, daher auch jetzt nicht mehr dazu als, dass es für eine möglichst optimale Mischung kritische, solidarische, zivilcouragierte und informierte Menschen braucht.

Werbung. Venedig ist die absolute Kommerzialisierung. Egal ob Mistkübel, Gebäudefassaden oder Brücken. Alles ist vollgekleistert mit Parfum, Unterwäsche oder Eventwerbung. Schön ist das nicht mehr. Aber wenn’s an Geld fehlt? Es ist eine Verschandelung des öffentlichen Raums. Letztens habe ich gelesen, dass jeder Amerikaner pro Tag mit 2000 Werbebotschaften konfrontiert wird. Pharmakonzerne geben mittlerweile mehr Geld für Werbung als für Forschung aus. Schlimm eigentlich. Wenn man sich überlegt, dass all das Geld, das in Manipulation und Marktforschung der Kunden fließt, in Produktentwicklung gesteckt werden könnte. Aber als unmündige Bürger sind wir einfach leicht für dumm zu verkaufen. Was mich zum nächsten Punkt führt.

Studieren. Gespräche mit meinen beiden Begleitprofessoren haben mich in meiner Überzeugung bestärkt. Die Forderung der Audimaxbesetzung sind absolut berechtigt. Bildung statt Ausbildung zu fordern macht absolut Sinn. Durch Ausbildung will man etwas (gegen Bezahlung) für andere zu tun. Das heißt man ordnet sich (dem Kapitaleigner) unter, macht sich unmündig. Bildung hingegen heißt etwas für sich selbst zu tun. Man könnte auch von Mündig-werdung sprechen. Gebildete Menschen sind kritisch, sie lassen sich nicht für dumm verkaufen. Es ist eine Frage der Selbstbestimmung. Wenn ich höre, wie und was studieren vor 30 Jahren war, dann greife ich mir an den Kopf und frage mich, wie es jemals zu einer solchen Einschränkungen (Stichwort Verschulung, Verantwortungs der Möglichkeiten der Studierenden kommen konnte. Sparen? Für wen!?

Referat. Im Zuge unseres Besuchs muss jeder einen kleinen Vortrag halten. Mir kam dabei das Thema „politische Situation Italiens“ zu. Ich möchte hier nicht von Italiens Politischer Gliederung erzählen (20 Regionen, 109 Provinzen, 8101 Gemeinden). Ich möchte auch nicht erzählen, dass Italien 1861 ein souveränes Königreich wurde, oder 1920 Mussolini an die Macht kam. Dass Italien 1946 per Volksreferendum eine parlamentarische Republik wurde oder 1949 der Nato, 1953 der EG oder 1955 der UN beitrat. Oder momentan ein gewisser Faschist namens Berlusconi an der Macht ist. Das sind alles langweilige Daten und Fakten. Was ich spannend fand war eine Zahl. In Venedig leben etwa 60.000 Menschen. Das ist etwa halb soviel wie Linz.

Handwerk. Heute durfte ich einmal mehr das geschäftige Treiben auf Calles, Campos und Piazzas beobachten. Hier sind viel mehr Handwerker unterwegs als in Wien. Straßenarbeiter, Müllmänner, Postler oder Transportdienstleiter. Ich finde das sehr ansprechend. Und ich bin damit nicht alleine. Dass das nicht auf Freiwilligkeit beruht (wie in einem Kommentar zum gestrigen Aritkel angesprochen), ist sicher richtig. Die Infrastruktur ist wirklich grotten schlecht.

Jugendliche. Auf so einer Klassenfahrt hat man mehr Möglichkeiten als sonst sich näher zu kommen und einander mit Fragen zu nerven. Auch hier gilt wieder: Jugendliche in meinem Umfeld gehören keiner konsumorientierten unkritischen Genussgesellschaft an. Themen über die ich bisher Diskutiert habe: Sicherheit, Gott, Liebe, Vertrauen, Zukunft, Studium, Ausbildung, Politik, Lachen, Verdrängung, Bedürfnisse / Motivation, Partizipation / Demokartie. Nur um das im Kopf zu behalten: Die sich-selbst-erfüllende-Prophezeiung wird sich irgendwann selbst erfüllen. Hören wir rechtzeitig auf der Jugend Desinteresse, Monotonie und Langweile zu unterstellen – sonst wird es noch Realität!

Liste: Was Wien von Venedig lernen sollte. (wird erweitert.)

  • Endlich rauchfreie Lokale.

  • Einkaufen als Erlebnis. Viele Klein- und Einmanngeschäfte.

  • Ruhe in Wiens Lebendigkeit bringen.

  • Mehr Handwerker auf die Straßen.

Wofür ich dankbar werde:

  • Grün. Wien hat Bäume, Wiesen und Parks, Venedig nicht!

  • Relativ Billig. Ich habe heute über 20 Euro für Verpflegung ausgeben müssen.

  • Das großartige (und kostengünstige) Angebot der Öffis.

  • Die relative Freiheit nicht auf Schritt und Tritt überwacht zu werden.

Audimax – wegen drei Dingen.

Verfasst von Armin Soyka am Freitag, 30 Oktober, 2009

Seit nunmehr 8 Tagen ist das Audimax besetzt. Vor nunmehr 8 Monaten habe ich meine erste politische Rede gehalten. In ihr habe ich drei Punkte formuliert, die wir ändern müssen um zu ändern, was schief läuft. Und es läuft einiges schief, eine Aufzählung erspare ich mir und euch. Meine These war: Es braucht…

…Partizipation. Wir brauchen Menschen, die sich einbringen. Erst wenn wir selbst Verantwortung übernehmen, uns für unsere Gesellschaft selber verantwortlich fühlen, Ideen einbringen und konkrete Lösungsvorschläge erarbeiten, wird sich Veränderung einstellen. Wir müssen es selber machen. Wir haben das ausgesprochene Glück in einer Demokratie zu leben. Dieser Zustand wird nicht von alleine bestehen bleiben. Veränderung und Demokratie bedingt die Partizipation aller (oder zumindest der meisten). Und Partizipation heißt nicht, alle vier oder fünf Jahre ein Kreuz zu machen. Regelmäßige Beschäftigung mit Politik und Gesellschaft sind Voraussetzung. „Wer sagt Politik interessiert mich nicht, hat die Demokratie nicht verdient.“ Natürlich ist diese Aussage plakativ. Aber sie ist richtig. Natürlich müssen wir bei der Bildungslandschaft ansetzen und nicht die Politikuninteressierten „kriminalisieren“.

…Selbstkritik. Wenn wir etwas verändern wollen, dann müssen wir überlegen, was bisher falsch lief. Nicht nur von den Anderen, sondern auch von unserer Seite aus. Wir müssen uns zu unseren Fehlern bekennen und aus ihnen lernen. Und wir müssen selbstkritisch realisieren, dass nur, wenn wir die Dinge, die wir als falsch oder untragbar erkennen, auch ändern, Veränderung passieren kann. Das beinhaltet auch, dass wir unter Umständen auf Dinge verzichten müssen. Fehler zuzugeben bedeutet Stärke nicht Schwäche, das müssen wir verinnerlichen.

…Desillusionierung. Wir leben in einer Gesellschaft, die uns glauben machen möchte, wir wären klein, wir wären nutzlos und sogar ersetzbar. Das sind wir nicht! Wir sind nicht schlecht, wir sind nicht unbedeutend, wir sind nicht hilflos, wir sind nicht schwach. Wir, besonders wir Junge, sind eine Generation, die im Überfluss aufgewachsen ist. Überfluss in jedem Sinne. Wir hatten immer alles, was wir brauchten um uns zu entwickeln: Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Wir sind intelligente, starke, vertrauenswürdige, geliebte, fähige und kompetente Menschen. Einzig was uns aus mir unerfindlichen Gründen fehlt, ist der Glaube an uns selbst.

Meiner These zufolge können und werden wir, sofern wir uns an diese drei Punkte halten, als Generation in die Geschichte eingehen, die Mut zur Innovation hatte, die geändert und gestaltet hat und die das gemacht hat, indem sie zu Fehlern gestanden ist und aus ihnen gelernt hat. Wir können diese Wege gehen. Wir können eine Brücke zwischen gestern und morgen sein, statt weiter im gestern zu leben. Aber wir müssen an uns glauben.

Voller Freude und auch einem Stückchen Stolz kann ich 8 Monate später behaupten: Ich hatte Recht. Meine relativ intensive Studie die Studierendenbewegung, die am Donnerstag begann und das Audimax bis jetzt besetzt hält, hat genau diese drei Punkte berücksichtigt. Eine (wachsende) Gruppe junger Erwachsener hat sich nicht mehr regieren lassen, sondern klar gesagt, jetzt reicht’s, was zuviel ist ist zuviel, da machen wir nicht mehr mit. Ob eine Besetzung die beste Möglichkeit ist oder nicht, darüber lässt sich streiten. Aber es tut sich was! Auch wurden in den letzten 8 Tagen viele Fehler gemacht. Wie könnte es anders sein? Immer verschiedene Leute. So viele verschiedene Leute. So viel Platz und soviele Entscheidungen. Natürlich gab es (viele) Fehler. Aber man hat daraus gelernt. Party wurde nicht mehr gemacht (oder nur mehr kaum). Redezeitbeschränkungen oder Tagessprecher. Es wurde innerhalb weniger Tage eine Infrastruktur eingerichtet, von der sich das Bundesheer wohl einiges abschauen könnte. Besonders die Presseabteilung und die Volksküche haben großartiges geleistet. Und all das konnte natürlich auch nur entstehen, weil Menschen daran geglaubt haben, dass sie etwas verändern können und jeder einen, seinen persönlich passenden Beitrag leisten kann. Jeder trägt etwas bei. Der eine fühlt sich zum Koch, der andere zum Türsteher, der nächste zum DJ und der nächste zum Homepageprogrammierer berufen. Der eine wäscht lieber den Boden auf, der andere kümmert sich lieber um übermüdete Demonstranten. Einer bevorzugt den Sanitäterdienst, der andere organisiert einen Livestream. Das wichtige, was diese Bewegung mir einmal mehr bewiesen hat, ist: In unserer Gesellschaft gibt es für jeden einen Platz. Solange man nur machen darf, was man gerne tut, bringt man sich auch ein. Faule Menschen gibt es nicht und die Zukunft wird uns mehr gutes als schlechtes bringen. Partizipation ist möglich und funktioniert sogar ganz passabel. Wenn man etwas erreichen will, kann man das, man muss nur zusammenarbeiten. Visionen verleihen Flügel, RedBull macht höchstens die Müdigkeit weg und morgen kann die Welt schon wieder ganz anders aussehen.

Glaub an dich und deine Ideen!

Wer die Rede sehen möchte kann dies hier tun.

Erster Eindruck: erster Tag Venedig

Verfasst von Armin Soyka am Donnerstag, 29 Oktober, 2009

Der erste Tag in Venedig ist vorbei, hier meine ersten Beobachtungen.

Mobilität. Der Individualverkehr westlicher Städte ist im Normalfall auf Autos abgestimmt. Ein Mobilitätskonzept für eine Stadt auf (Eichen-) Stelzen und im Wasser auf die Beine zu stellen, muss hier entsprechend schwer sein – gerade wenn Technologisierung, Leistungsdruck und Mobilitätsansprüche entsprechend steigen und die Stadt es jedes Jahr mit mehr Touristen zu tun bekommt. Die Lösungsansätze, die gewählt wurden, sind nicht grundsätzlich schlecht, gehören aber deutlich verbessert. Besonders der öffentliche Verkehr ist eigentlich unbrauchbar. In einer Stadt ohne Straßen / Autos muss man Dinge neu überdenken.

Lastenverkehr wird prinzipiell auf mittelgroßen Kähnen geschifft und dann via (relativ altmodisch-wirkenden) Karren zu ihrer Zieldestination gebracht. Die gesamte Nahversorgung (Greißler, Restaurants), die Paketpost und der An- und Abtransport von Baugut sind so geregelt. Auch die Abfallentsorgung funktioniert hier etwas anders. Müll wird entweder aus dem Fenster gehängt, oder vor die Tür gelegt. Müllmänner gehen durch die Straßen und sammeln den Müll in überdimensionalen Einkaufswägen und bringen ihn an den Kai, wo das Müllschiff den Abfall in seinem Bauch verstaut. Sogar der Fäkalienabtransport funktioniert über Schiffe. (Abwasser-) Kanäle gibt es soweit ich weiß nur in geringem Ausmaß.

Personenverkehr findet hauptsächlich zu Fuß statt. Venedig ist klein genug um (in etwa 30 Minuten) überall hin zu kommen. Für die Ungeduldigeren (und Reicheren) lassen sich Boottaxis finden. Private Boote für Individualverkehr gibt es auch, aber nur vereinzelt. Logisch, sonst wären Venedigs Kanäle so verstopft, wie der Gürtel zwischen sechs und sieben. Die typisch-venezianischen Gondeln kann man sich als Normalsterblicher nur zu sechst und einmal als Souvenir leisten. Für das persönliche Fortkommen sind sie ungeeignet. Sie sind zwar bequem, aber langsam und vor allem teuer. Eine Fahrt kostet stolze 80 Euro.

19 verschiedene Vaporetto Linien verkehren auf den Canale Grande und rund um die Stadt und stellen damit die Flotte des öffentlichen Verkehrsdienstleisters HCTV. Ein Vaporetto ist ein etwa 200 Fahrgäste fassendes Boot. Vor die Haustür wird hier niemand gebracht. Haltestellenhäufigkeit, Fahrfrequenz sowie Kosten überzeugen nicht. Ein 72 Stundenticket für 19 Linien kostet für Jugendliche 22 Euro (7,33 Euro / Tag), Erwachsene müssen 33 Euro (11 Euro / Tag) hinblättern. Zum Vergleich: die Wiener Linien mit Straßenbahnen, Bussen, Nightlines, U-Bahnen, S-Bahnen kosten pro Tag 7,60 für Erwachsene. Es kommt nur etwa alle zehn Minuten so ein Vaporetto daher und bei den größeren Haltestellen muss man meist ein Boot lang warten, bis man es hinauf schafft. Fahrräder sind wegen den vielen Leuten und Brücken ungeeignet. Mobilitätseingeschränkte, die auf Rollstuhlnutzung angewiesen sind, haben es auch nicht leicht. Bisher habe ich eine barrierefreie Brücke gesehen.

Romantik. Venedig ist die Stadt der Romantik. Männlein und Weiberl gemeinsam, eng umschlungen in einer Gondel am Canale Grande, die Palazzos und Plätze im Hintergrund vage erkennbar, dem Sonnenuntergang entgegenstrebend. Verfallene Häuser passen da durchaus ins Bild. Beängstigend finde ich es trotzdem. Es schockt mich richtig zu sehen, wie schlecht es um die Bausubstanz, besonders in Hinterhöfen und unbelebteren Straßen, bestellt ist. Auch unser „Hotel“ ist relativ verfallen – wirkt aber urig und dem Gemeinschaftsgefühl ist das ja durchaus zutuend.

Nahversorgung. Besonders auffällig sind die vielen kleinen Geschäfte, die das Straßenbild prägen. Hier ein Fleischer, dort ein Bäcker, da ein Gemüseladen und dann ein Minisupermarkt. Vinothek, neben Greißler, Tischler und Altwarengeschäft. Wie kommt es, dass sich diese Kleinstbetriebe hier gehalten haben, in Wien aber nicht? Ich weiß es nicht. Wahrscheinlich gibt es aufgrund der Touristen mehr (zahlungskräftige) Laufkundschaft. Kann auch sein, dass die österreichische nicht existente Politik für Einmannbetriebe verantwortlich ist. Oder eine Mischung aus beidem. Klar ist aber, dass Einkaufen ein Erlebnis sein könnte und sollte. Diskussionen über Herkunft, Empfehlungen fürs Mittagessen oder einfach ein Gesprächspartner zum Quatschen – all das können Greißler bieten. Und hier tun sie das noch. Wäre eine Idee für Wien! Nahversorgung kann so wieder von Herzen kommen und wirklich nah sein.

Rauchen. In Italien herrscht seit einigen Jahren absolutes Rauchverbot in allen Restaurants und Bars. Es tut gut. Der Vergleich zwischen gerade verlassenem Audimax und venezianischem Restaurant ist keiner. Da liegen einfach Welten dazwischen. Überrascht haben mich die überall (in vier Sprachen) ausgeschilderten Konsequenzen: Wer das Rauchverbot ignoriert, riskiert, mit einer Strafe von 27,5 bis 275 Euro belegt zu werden. Sollten offensichtlich schwangere Frauen, Säuglinge oder Kinder unter 12 Jahren anwesend sein, verdoppelt sich die Strafe. Wir sollten in Österreich nachziehen, bevor die EU es uns vorschreibt. Für unsere Gesundheit und Lebensqualität.

Ruhe. Zwei Mädchen aus meiner Gruppe haben heute für ein Projekt einige Menschen interviewt und gefragt, was besonders an Venedig ist. Mehrfach kamen die Begriffe Ruhe und Lebendigkeit auf. Zwei Dinge die sich auf den ersten Blick nur schwer vereinen lassen. Denkt man aber ein wenig darüber nach, macht es Sinn. Venedig ist, wie oben schon angesprochen, praktisch autofrei. Es ist ruhig. Und dennoch herrscht ein geschäftiges Treiben. Venedig ist lebendig. Und der Lärm, der entsteht, ist menschlich, nicht motorisch.

Soweit aus Venedig vom ersten Tag. Ich freue mich auf morgen.

Liste: Was Wien von Venedig lernen sollte (wird erweitert):

  • Endlich rauchfreie Lokale
  • Einkaufen als Erlebnis. Viele Klein- und Einmanngeschäfte.
  • Ruhe in Wiens Lebendigkeit bringen.

Wofür ich in Wien (im Vergleich) dankbar werde:

  • Grün. Wien hat Bäume, Wiesen und Parks, Venedig nicht!
  • Relativ billig. Ich habe heute über 20 Euro für Verpflegung ausgeben müssen.
  • Das großartige (und kostengünstige) Angebot der Öffis.

Die Sache mit der Videoüberwachung habe ich jetzt vergessen, dazu im nächsten Blogpost.

Zeit für Reflexion.

Verfasst von Armin Soyka am Dienstag, 27 Oktober, 2009

Jedes Ende ist auch immer ein Anfang. Das ist wohl für einige Zeit mein letzter Blogpost. Denn die Vernunft hat gesiegt. Ich werde, wie geplant, eine ermunternde und fröhlich/anstrengende Woche mit meiner Klasse im (verregneten?) Venedig verbringen und dem Audimax für eine viel zu lange Zeit fern bleiben. Diese enthusiastische, unkontrollierbare und unglaubliche Bewegung hinter mir lassen, fällt mir nicht leicht. Von zuvielen richtungsweisenden Impulsen, lehrreichen Eindrücken und bewegenden Erfahrungen könnte ich berichten um hier ohne Wehmut zu gehen.
Aber vielleicht hat es auch viel Gutes. So bekomme ich, so meine Hoffnung, die Möglichkeit durch räumlichen und zeitlichen Abstand die Erfahrungen nicht nur der letzten Tage in #unsereuni, sondern auch die Eindrücke vom Medienkongress, den zwei Vorträgen von Christian Felber, denen ich diese Woche lauschen durfte und den Folgen der öffentlichen Bekanntgabe meiner Kandidatur, zu reflektieren.
Hinweisen möchte ich noch auf die Demonstration der Studierenden und allen, die ihren Zielen (für eine freiere, unbürokratischere und demokratischere Bildung in dem 6. reichsten Land der Welt für alle) zustimmen wollen und können. Sie findet morgen, am Mittwoch, den 28. Oktober 2009, um 10h statt. Sammeln wird man sich vor der Universitätsrampe (Schottentor) und dann zum Wissenschaftsministerium ziehen. Bitte dringend hinkommen und mitmachen! Jeder einzelne kann hier sehr einfach ein wichtiges Zeichen setzen! Alle Fragen lassen sich auf www.unsereuni.at leicht klären. Auch Facebook ist wie immer bestens informiert.
Der oben angekündigte Anfang ist übrigens meine Premiere als Mobilblogger. Dieser Beitrag wurde vom Handy aus gebloggt. Sehr zeitaufwendig und nervenaufreibend aber möglich.

Nix brennt in unserer Uni!

Verfasst von Armin Soyka am Montag, 26 Oktober, 2009

Unsere Uni

Gibt es etwas anderes als lächelnde Menschen? Menschen, die sich gebraucht und gewollt, nützlich und stark fühlen? Menschen, die an etwas glauben und dafür einstehen, ihre Ideen einbringen und gehört werden? Gibt es etwas Schöneres als eine große Vision? Gibt es etwas Schöneres, als wenn alle mithelfen? Gibt es etwas Schöneres als eine Audimaxbesetzung? Ich habe die letzten 9 Stunden im Audimax zugebracht und kann gar nicht zusammenfassen, was ich heute alles erlebt habe.

Aber hier ist etwas im Entstehen. Etwas Großes. Optimismus, Aktivismus und Engagement greifen um sich, das System wächst schnell. Das Chaos strukturiert sich. Es wird diskutiert. Es wird analysiert. Und es wird gelernt. Die Entwicklung, die sich in dieser Unternehmung in den letzten 100 Stunden abgespielt hat, ist unbeschreiblich. Das Erfolgsgeheimnis? Hier wird gelächelt. Hier fühlt sich jeder wohl. Es gibt ein Ziel. Und die Gruppe hält zusammen. Sie steht für einander ein und arbeitet hart, um ihre Ziele zu erreichen. Um die armen verwirrten Schafe, die noch immer denken, es ginge um Vandalismus oder Blockaden, aufzuklären, hier der letzter Stand der Forderungen:

1)   Bildung statt Ausbildung
Bildung für eine mündige Gesellschaft und nicht bloße Ausbildung nach wirschaftlicher Verwertbarkeit! Unser Ziel ist die Möglichkeit eines freien, selbstbestimmten Studiums für Alle! Wir wollen keine Verschulung der Studienpläne! Daher fordern wir eine grundlegende Überarbeitung des BA/MA Systems.

Wir fordern:

  • Schluss mit den STEPs als versteckte Zugangsbeschränkungen. Die STEP als eine tatsächliche Orientierungsphase statt als Selektionsinstrument durch Knock-Out Prüfungen.
  • Freie Gestaltung des Studiums – Schluss mit der unnötigen Verzögerung durch Voraussetzungsketten
  • Freie Wahlfächer statt Erweiterungscurricula
  • Weg mit den intransparenten Anmeldesystemen
  • Freie Master und PhD Zugänge
  • Gewährleistung der Beendigung des begonnenen Studienplans (z.B. Diplom). Dazu bedarf es eines entsprechenden Lehrangebots und fixer Äquivalenzlisten sowie der bestehenden Übergangsfristen.
  • Aufrechterhaltung der noch bestehenden Diplomstudiengänge
  • Gewährleistung der Anrechenbarkeit von LVs und Abschlüssen im In- und Ausland

2)   Freier Hochschulzugang
Freie Studienplätze für Alle und Abschaffung der Studiengebühren, auch für nicht-EU-BürgerInnen und Langzeitstudierende. Die Sicherstellung eines angemessenen Lehrangebots und die Qualität der Lehre darf nicht durch Zugangsbeschränkungen erwirkt werden. Freier Hochschulzugang und qualitativ hochwertige Lehre sind kein Widerspruch! Es gibt nicht zu viele Studierende sondern nur zu wenige Studienplätze!

3)   Demokratisierung der Universitäten
Unser Ziel ist die demokratische Organisation der Universitäten. Dazu gehört eine Demokratisierung der Verwaltung in einer Form, die ProfessorInnen, Studierende, das wissenschaftliche und das nicht wissenschaftliche Personal gleichberechtigt an der Entscheidungsbildung beteiligt.

Wir fordern:

  • Neuverteilung der Stimmrechte im Senat mit dem Ziel einer echten Demokratisierung zum Beispiel nach dem Prinzip der Viertel-Parität
  • Keine Studienplanänderungen ohne Mitbestimmung der Studierenden
  • Einführung demokratischer Entscheidungsstrukturen auf allen Ebenen
  • Transparente Entscheidungsfindungsprozesse müssen auf allen Ebenen etabliert werden
  • Anti-Diskriminierung als Grundkonsens in allen universitären Bereichen
  • Ersatzlose Abschaffung des Universitätsrates
  • Auflösung des Top-Down Prinzips
  • Rücknahme der ÖH Wahlrechtsreform 2004 – Wiedereinführung des Direktwahlmodus bei ÖH Wahlen
  • Studentische Räume müssen geschützt werden

4)   Ausfinanzierung der Universitäten

  • Transparenz bei der Finanzierung von Forschung und Lehre
  • Mitbestimmung bei der Mittelverwendung an Universitäten
  • Abschaffung aller noch bestehenden Studiengebühren, auch für nicht-EU-BürgerInnen und Langzeitstudierende
  • Finanzielle Absicherung der Studierenden
  • Wiedereinführung der StudentInnenfreifahrt
  • Aufhebung aller finanziellen Zugangsbarrieren im Bildungsbereich

Dass etwas weitergeht, kann man spüren. Aber man kann es auch sehen. Mittlerweile gibt es 48 Arbeitsgruppen zu allen relevanten Themen: von Presse, Abendgestaltung und Moderation über SchülerInnen, Technik und Resourcen, zu Volksküche, Forderungen und Rechtsinformation, in denen über 400 Menschen Tag für Tag (stundenlang) diskutieren und ihre Resultate im Plenum vorstellen, diskutieren und abstimmen. Webseite und Livestream wurden binnen Stunden auf die Beine gestellt und erfreuen sich großer Beliebtheit (die Webseite wurde innerhalb von 20 Stunden über 30.000 mal besucht, im Livestream folgen etwa 1.000 (!!!) Menschen dem Geschehen). Auch in Twitter dominiert das Thema: #unibrennt und #audimax sind auf Platz 1 und 2 der deutschen Twittercharts.  Auch die Facebookgruppe wird wohl heute Nacht noch die 8.000 Mitgliedermarke knacken. Eine spannende und soweit ich beurteilen kann wichtige und richtige Analyse liefert Philipp Sonderegger.

Hier noch eine Kostprobe, wie es um Stimmung und Motivation bestellt ist.

Hier ist etwas im Entstehen und ich bin nicht sicher, ob ich die nächste Woche nicht lieber auf der Uni anstatt in Venedig verbringen würde. Ganz ehrlich!

Jetzt muss ich schnell ins Bett, damit ich morgen für das Plenum um 11 Uhr fit bin! Gute Nacht!

Achja, und alle die nicht kommen sind ganz ehrlich selber schuld. Pech gehabt. Flaschenpost vorbeigeschwommen.

Erster Rückblick. Medienkongress 2009

Verfasst von Armin Soyka am Samstag, 24 Oktober, 2009

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Erwartet hatte ich nicht besonders viel. Ist ja auch gut so, dann wird man nicht enttäuscht. Erhofft habe ich mir vieles. Besonders meine Fragen Europa und die europäische Union betreffend (Souveränität, Demokratie, Gewaltentrennung, Partizipation, Außen- und Sicherheitspolitik, Sozialpolitik und Mitgliedsstaaten) anbringen zu können. Außerdem wollte ich viele neue spannende Persönlichkeiten kennenlernen. Weiterlesen »

Grüner Konvent

Verfasst von Armin Soyka am Montag, 19 Oktober, 2009

Gestern fand der Grüne Konvent statt. In der Einladung hieß es, es gehe darum, “Partizipationsmöglichkeiten in Parteien und demokratischen Systemen” zu erkunden und weiterzuentwickeln.

Die Erwartung war für mich, viele neue Grüne FunktionäreInnen, SympathisantInnen, VorwählerInnen und AktivistInnen kennen zu lernen, meine Impulse für ein offenes, partizipativeres, stärkeres und fröhlicheres Grün einbringen und diskutieren zu können und selbst von neuen Ideen anderer inspiriert zu werden.

Der Event. Beim Eingang wurde in drei Gruppen unterteilt. Grün (FunktionärInnen), Rot (AktivistInnen) und Gelb (Interessenten). Zu sechst nahm man an einem Tisch Platz, wobei darauf zu achten war, dass sich 2 pro Farbe  und einander möglichst unbekannte an einem Tisch zusammenfünden. Nach einer Einführung durch die Moderatorin (Name vergessen…) und der Begrüßung durch Maria Vassilakou, begann das Programm mit dem ersten 20-minütigen Impulsreferat von Monika Mokre (Politikwissenschaftlerin), die uns Fragen der Demokratie und Partizipation von einer relativ theoretischen (aber hoch interessanten) Seite näher brachte. Die Präsentation sollte hier eingebunden sein.

Anschließend gab es eine 20-minütige Diskussion. Spannende Ideen sind da aufgekommen, obwohl die Zeit zum Diskutieren leider viel zu knapp bemessen war.

Unser Tisch beschäftigte sich vor allem mit der Frage: Wie kann man Partizipation zwischen den (Vor-) Wahlen ermöglichen und auch neue Gesichter erreichen. Unsere Antworten: Spaß – ich sollte mit Motivation, Freude und Elan offen sein für neue Menschen und Ideen. Netzwerke – wir müssen die vorhandenen Netzwerke (Bezirksgruppen, Teilorganisationen, Grüne Vorwahlen?) nutzen und ständig ausbauen. Kommunikation – die Kommunikation Innen wie Außen muss besser klappen. Kleine Gruppen – das geht besonders, wenn die Gruppen, die zusammenarbeiten, kleiner sind. Rausgehen – Um neue Leute in die Partei integrieren zu können, müssen wir im Straßenbild präsenter sein.

Nach 10 Minuten Pause (die Nusskipferln waren köstlich!) ging es weiter mit dem zweiten Impulsreferat. Die Tische wurden gewechselt. Silvia Nossek, Landessprecherin der Wiener Grünen, erzählte von ihrem grünen Werdegang. Sie lieferte ihre 8 Thesen zu Politik und Gesellschaft, über die Markus Ratmayr schon gebloggt hat und ich livegetwittet habe. Hier die Präsentation:

Sehr bewegend fand ich ihre Erzählung, wie sie dazu gekommen ist, Politik zu machen / sich zu engagieren. Sie hatte wohl ihre Großeltern gefragt, was die damals (unter diktatorischen Umständen) gegen das Regime gemacht hätten. Wie sie dafür gesorgt hätten, dass diese Schreckensherrschaft beendet würde. Und sie bekam keine Antwort. Irgendwann stellte sie sich die Frage, was sie wohl ihren Enkeln erzählen würde, was sie getan hätte, damit sich die Zustände wie sie sind verändern. Ein guter Impuls wie ich denke. Besonders spannend finde ich These 6: “Parteien brauchen sowohl inneren Zusammenhalt wie äußere Irritation”.

Es wurde wieder 20 Minuten diskutiert. Allerdings musste ich während der Diskussion gehen. Ich bekam also weder das dritte Impulsreferat von Doron Rabinovici mit, noch die nachfolgende Diskussion.

Der Rückblick. Es war ein sehr spannendes Event. Meine Erwartungen haben sich erfüllt, wobei ich das Gefühl hatte, es waren sehr wenige Grüne VorwählerInnen da. Verständlich, dass einige sehr verärgert sind, aber ändern wird sich nur, was verändert wird. Überrascht war ich von der positiven und offenen Stimmung. Die im Netz vielfach gepriesenen “Betonierer” durfte ich (noch?) nicht kennen lernen. Im Gegenteil. “Alle Grünen VorwählerInnen, die ich bis jetzt getroffen habe, waren mit tiefgrüner Wolle gewaschen. Ich geniere mich dafür, was da gelaufen ist. Ich würde den Landesvorstand am Liebsten abwählen und ich bin nicht alleine.” war eine Aussage bezüglich der VorwählerInnen. Von allen Seiten hörte ich Stimmen, die es bedauerten, dass nicht mehr VorwählerInnen aufgenommen wurden. Maria Vassilakou hob in der Einführung hervor, dass immerhin über 200 neue UnterstützerInnen aufgenommen wurden und mit ihnen (hoffentlich) am 15. November das erste Mal die Tausendermarke an Wahlberechtigten überschritten wird.

Overall. Ein spannendes Event, mit brennend aktuellen Themen und einem klar visionären Blickwinkel. Was sich aus den Protokollen der einzelnen Diskussionen, den Ideen, die auf einer Pinnwand veröffentlicht und bewertet werden konnten, dem Videomitschnitt und den Eindrücken in den Köpfen der Anwesenden entwickeln wird, kann niemand sagen, die Zukunft wird es weisen. Ich bin optimistisch – weil grün größer werden muss.

#2PoGri – Politisches Grillen

Verfasst von Armin Soyka am Montag, 28 September, 2009

“Es wird Sommer, wir spüren es alle. Gestern beim Gartenfrühlingsputz ist mir eine Idee gekommen: Essen macht Spaß, Politik auch! Warum also nicht beides verbinden?
Alle, die gerne über politische Themen / Politik bei einem Salat, Steak, (vegetarischen?) Würstel, Kuchen oder Bier diskutieren wollen treffen sich in meinem Kleingarten (17. Bezirk, 10 Minuten zu Fuß von Endstation 43, 15 Minuten zu Fuß von Endstation 41). Jeder bringt sich selbst, gute Laune, Kritik, Konstruktivität und entweder einen kleinen Unkostenbeitrag oder Essen mit und wir diskutieren 3, 4 oder 5 Stunden über diverse Themen!”

So habe ich die Idee Anfang April 2009 in der Facebookgruppe Politisches Grillen vorgestellt und einige Freunde, die ich für interessiert hielt, eingeladen. Anscheinend kam die Idee gut an und es gibt eine Menge Menschen, die da ganz meiner Meinung waren: Essen macht Spaß, Politik auch! Warum also nicht beides verbinden? Binnen einer Woche traten der Gruppe 30 Interessentinnen und Interessenten bei, mittlerweile ist die Gruppe auf über 80 Mitglieder angewachsen und mit deiner Unterstützung werden es sicher bald ein paar mehr!

Anfang Juli hatte ich dann die Zeit, das Projekt weiter durchzuplanen, und schließlich fand das #1PoGri (Abkürzung für “Erstes Politisches Grillen” – hier der Link zu dem Facebookevent statt. Die Feuertaufe war bestanden, die Resonanz (hier der Link zum Blogeintrag zum Bericht über das #1PoGri!) gut und voller Tatendrang ging ich an die Planung des #2PoGri (Facebookevent #2). Dieses ging gestern über die Bühne. Wie beim ersten mal war das Wetter einfach wunderbar perfekt, anders war der Altersschnitt – der älteste Teilnehmer war 19 (letztes mal: 2x > 50 Jahre). Hier ein Bericht zweier Teilnehmerinnen (Lena und Kathi) – ein öffentlicher Dank sei euch beiden hiermit ausgesprochen!

Bericht vom #2PoGri:

Oft will man sich mit anderen Leuten über verschiedene Themen unterhalten, möchte über politische und philosophische Fragen ein bisschen mehr Klarheit bekommen. Oder man erfreut sich einfach an spannenden Diskussionen, denen man beiwohnen kann, ohne Angst haben zu müssen, dass das Gegenüber einen nach 2 Minuten gelangweilt anstarrt und meint “Hey, wusstest du schon, dass ein neues X-Box Spiel draußen ist?“

Deswegen fand am Sonntag das 2. Politische Grillen statt. Eingeladen waren alle, die kommen wollten, egal wie alt sie waren oder wo sie politisch angesiedelt waren.
Das Eis war schnell gebrochen und man kam ins Gespräch. Die erste Diskussion entstand durch die Frage: „Sollten Direktoren die Lehrer rauswerfen dürfen?“ worauf es weiter ging mit: „Was ist ein guter Lehrer?“

Nach einer längeren Essenspause gingen die Gespräche weiter. Diesmal in 2 Gruppen geteilt beschäftigte sich die eine Gruppe mit der Frage der Abtreibung. Obwohl wir uns eigentlich alle darüber einig waren, dass ein Verbot zu nichts führen würde, gingen die Meinungen doch teilweise stark auseinander. Währenddessen wurde in der anderen Gruppe über wählen ab 16, künstliche Befruchtung, Energiesparlampen und Designer-Babys diskutiert.

Nach den ersten Aufräumarbeiten ging das Debattieren als wiedervereinte Gruppe weiter. Bei Kerzenschein entstand trotz der Kälte eine gemütliche Atmosphäre. Diesmal wurde die Trennung von Staat und Religion ins Auge gefasst. Wann endet Religionsfreiheit und wann beginnt das staatliche Gesetz? Auch Glück wurde besprochen. Was macht glücklich? Wie erhält man sich den Zustand des Glücklichseins? Später wurde über Weinen als Schwäche gesprochen. Ist es wirklich eine Schwäche, oder ist es eine emotionale Stärke, vor anderen Trauer zu zeigen?

Schlussendlich haben wir noch alle zusammen aufgeräumt und eine Feedbackrunde gemacht. Dabei kam viel Positives heraus. besonders erwähnt wurden die Diskussionen, die verschiedenen Meinungen und die neuen Freundschaften. Es war ein wirklich spannender und interessanter Tag.

Weitere Politische Grillen sind geplant, ich suche immer UnterstützerInnen, KritikerInnen und MitdenkerInnen! Solange die Überlegungen noch keine konkrete Gestalt annehmen, bitte ich dich einfach der Facebookgruppe “Politisches Grillen” beizutreten – damit bekundest du Interesse an und Solidarität mit der Idee und wirst sobald ein neues Event vor der Tür steht mit einer fast ganz persönlichen Nachricht eingeladen zu unterstützen, teilzunehmen, mitzudenken und natürlich zu kritisieren! Achja und Freunde und Freundinnen einzuladen ist natürlich auch im Sinne der Idee!

PS: Der Untertitel für das #1PoGri war “…weil in unserer Demokratie jede_r etwas zu sagen hat!“. Das #2PoGri wurde mit “... weil wir unsere Stimmen austauschen wollen!“. Für #3PoGri wird noch nach einer Unterbetitelung gesucht. Gute Ideen werden gerne kopiert! Kommentieren!